Die Dombes und ihre tausend Teiche

Facettenreich und einzigartig – die Dombes hat eine besondere Geschichte. Die Dombes war zwei Jahrhunderte lang ein unabhängiges Fürstentum, erst im Jahre 1762 wurde sie an das Königreich Frankreich angegliedert.

Ab dem 12. Jahrhundert erschlossen die Mönche die Dombes, um die ersten Fischteiche anzulegen, indem sie natürliche Bodensenken entsprechend nutzten. Noch heute werden die Teiche unter Wahrung der jahrhundertealten Traditionen gepflegt und genutzt.

Text: Patrimoine des Pays de l'Ain

Thou - © Gilles Brevet Aintourisme

Eine Schleuse der Dombes-Teiche, die „thou“ genannt wird
© Gilles Brevet Aintourisme

Geschichte der Dombes

 

Die Etymologie des Wortes „Dombes“ ist gegensätzlich. Manche Historiker verbinden das Wort mit der Landschaft der Region: Wälder, Hügel etc.; für andere hat sie lateinische bzw. deutsche Wurzeln. Gewöhnlich sagt man „La“ Dombes, also in der Einzahl, wie bei La Bresse oder La Savoie.

Die weitläufige Hochebene wird im Westen von der Saône, im Süden von der Rhône, im Osten vom Ain und im Norden von der Veyle begrenzt. Nach der Teilung des Karolingerreichs im Jahre 843 war die Dombes ein Gebiet des Heiligen Römischen Reichs. Man nannte sie „das eigene Beaujolais des Königreichs“.

Les 137 communes dombistes

Die 137 Gemeinden der Dombes
© Académie de la Dombes

1300

Die Streitigkeiten, Konflikte und Bündnisse zwischen verschiedenen kleinen Feudalherren liefen im Jahr 1300 auf vier Herrensitze hinaus:

  • Die Beaujeu besaßen Thoissey, Montmerle, Saint-Trivier und Chalamont
  • Die Thoire-Villars hatten die Befehlsgewalt über Trévoux, Ambérieux und Villars
  • Die Grafen von Savoyen dominierten in Châtillon
  • Die Provinz Franc-Lyonnais gehörte der Kirche von Lyon (der südliche Teil der Dombes erreichte Lyon).
Édouard Ier de Beaujeu (derrière Louis de Bourbon) prête hommage au Roi.

Édouard I de Beaujeu (nach Ludwig von Bourbon) leistete dem König Gefolgschaft.

Sceau Guicharded VI

Siegel von Guichard VI de Beaujeu

1325

Die historische Schlacht von Varey im Jahre 1325 hatte die Schwächung des Reichs zur Folge. Bündnisse und Landeroberungen führten Anfang 1400 zum Aufbau von zwei politischen Mächten, die allein die gesamte Region der Dombes einnahmen: die Herzöge von Bourbon und die Grafen von Savoyen.

Bataille de Varey

1500

Les limites de l’ancienne Principauté de Dombes vers 1500

Grenzen des ehemaligen Fürstentums der Dombes um 1500

Die Bourbons ließen sich 1402 in der Dombes nieder. Sie waren die ursprünglichen Herren von Trévoux, im Jahre 1560 wurden sie die Herzöge und dann Fürsten der Dombes. Sie errichteten einen souveränen, unabhängigen Staat: das Fürstentum Dombes. Es setzte sich aus 2 Einheiten zusammen, die Grande Dombes (westlicher Teil in der Nähe der Saône) und die Petite Dombes (nahe von Ain).

Louis-Charles de Bourbon

Louis Charles de Bourbon, letzter souveräner Fürst der Dombes von 1755 bis 1762

Château de Trévoux

Der achteckige Turm des Schlosses von Trévoux

Die seit 1272 in der Bresse ansässigen Grafen und Herzöge von Savoyen zogen um 1402 in die Dombes. Die savoyische Bresse als nördliche Erweiterung des Herzogtums Savoyen hatte Bourg-en-Bresse als Hauptstadt, und das Schloss von Châtillon in der Dombes war die wichtigste Hochburg. Die Savoyarden besaßen einen Landstrich, der die beiden Teile des Fürstentums trennte. Die savoyische Vormachtstellung brachte eine Zeit des Aufschwungs und Wohlstands für die Bewohner der Dombes.

Citadelle de Bourg

Die Zitadelle von Bourg, erbaut im Jahre 1569 und 1611 dem Erdboden gleichgemacht

Château Chatillon

Die Festung von Châtillon-lès-Dombes

1601

Der Vertrag von Lyon im Jahre 1601 setzte dem französisch-savoyischen Krieg zwischen Karl Emmanuel I., Herzog von Savoyen, und dem französischen König Heinrich IV. ein Ende. Das Herzogtum Savoyen verlor endgültig die Bresse, die Regionen Pays du Bugey und Pays de Gex sowie Valromey, gewann jedoch im Gegenzug die Markgrafschaft Saluzzo.

Charles-Emmanuel de Savoie

Charles-Emmanuel I., Herzog von Savoyen (1562–1630)

Das Fürstentum Dombes war eine bemerkenswerte separate Einheit. Ein unabhängiger Staat mit seiner eigenen Rechtsprechung, Armee und Währung.

Monnaire-de-Principauté-de-la-Dombes

Währung des Fürstentums Dombes. Pistole von Louis II. de Bourbon de Montpensier

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Lage des Fürstentums Dombes im 17. Jahrhundert

Der Gouverneur von Dombes residierte im Schloss Breuil: der derzeitige Standort der Golfanlage Golf du Gouverneur in Monthieux. Diese Hoheitsgewalt reichte vom Anfang der 1400er-Jahre bis ins Jahr 1781, als die Dombes endgültig dem französischen Reich angegliedert wurde. Hier war die Besteuerung sehr niedrig, deutlich geringer als im angrenzenden Frankreich.

François Damas d'Antigny, gouverneur Dombes

François Damas d’Antigny, Gouverneur von Dombes (1785–1862)

Château du Breuil - Golf Gouverneur

Das Schloss Breuil auf der Golfanlage Golf du Gouverneur

1627

Die Fürsten waren zunächst die Familie Bourbon, später (ab 1560) die Bourbon Montpensier. Und schließlich durch Heirat von 1627 bis 1762 die Orléans.

Unter diesen Landesherren fällt Anne Marie Louise d’Orléans auf, die sogenannte Grande Mademoiselle. Sie war die reichste Erbin des französischen Königreichs und leitete die Entwicklung der Dombes ein.

La Grande Mademoiselle

Die sogenannte Grande Mademoiselle Anne Marie Louise d’Orléans (1627-1693)

1693

Der Herzog von Maine (unehelicher, jedoch Lieblingssohn von Ludwig XIV.) baute das Fürstentum zwischen 1693 und 1736 zu einem regelrechten Königreich auf. Damals strahlte die Stadt Trévoux mit dem Renommee ihrer Druckerei (Nachschlagewerk Dictionnaire de Trévoux), ihren wissenschaftlichen Einrichtungen (Memoire des Jesuitentagebuchs), ihrer Gold- und Diamantenverarbeitung, ihrem Parlament der Dombes, ihren Hotels und Landhäusern in alle Königs- und Fürstenhöfe aus. Das alles kann heute in Trévoux besichtigt werden.

Duc de Maine

Louis Auguste de Bourbon, Herzog von Maine (1670–1736)

Parlement de la Dombes

Zuhörersaal des Parlaments von Trévoux
© Département de l'Ain

19. Jahrhundert

Die Landschaft der Dombes ist von ihren Teichen geprägt. Sie wurden im 13. Jahrhundert von Mönchen angelegt und sorgten für eine erfolgreiche Fischzucht, in erster Linie von Karpfen. Im 19. Jahrhundert führte eine unbegründete Polemik über ihre Gesundheitsgefährdung zusätzlich zum Ausbau der Eisenbahn zu einer erheblichen Trockenlegung dieser Feuchtgebiete.

Etangs de la Dombes - © Thierry Moiroux Aintourisme

Die Teiche der Dombes
© Thierry Moiroux Aintourisme

Heute

Heute gibt es noch etwa eintausend Teiche mit einer Fläche von 12 000 Hektar.
Die Teiche werden abwechselnd bewirtschaftet, einmal mit Wasser gefüllt, das andere Mal trockengelegt, und der Boden wird dort kultiviert.

Pêche d'étang

Angeln in den Teichen der Dombes

Thou Dombes A

Das „Thou“ ist eine Schleuse, das dem Leeren der Teiche dient.

Lehmstampf ist das Hauptmaterial der alten Häuser der Dombes, es handelt sich dabei um getrockneten und zusammengepressten Ton. Die Schlösser, Stadtmauern und Kirchen waren aus sogenannten „Carrons“ gebaut: dicke, massive Backsteinziegel. Eine ausgezeichnet erhaltene Ziegelbrennerei ist in Saint-Paul-de-Varax zu besichtigen.

Maison forte à Villeneuve

Festung aus sogenannten „Carrons“ aus Villon in Villeneuve
© Patrimoine de l’Ain

Carronnière de Saint-Paul-de-Varax

Ziegelbrennerei von Saint-Paul-de-Varax

Dr. Yves VERCELLIS
Vizekanzler der Académie de la Dombes (*)

(*) Die Académie de la Dombes hat die Aufgabe, die Dombes zu vertreten und darzustellen.